The Power of Agile Work

Teil 1: Was ist agiles Arbeiten – und was nicht?

Lesezeit: 5 Minuten

„Agilität“ ist in aller Munde. Jeder redet davon, doch es werden recht unterschiedliche Dinge darunter verstanden. Was ist agiles Arbeiten – und was nicht? Heute wollen wir aufräumen mit Annahmen, denen wir selbst häufig im Arbeitsalltag begegnen:

1) Agiles Arbeiten heißt, SCRUM und andere agile Methoden anzuwenden
Ja und nein. Agile Methoden wie SCRUM unterstützen agiles Arbeiten und geben ihm eine Struktur. Sie sind ein sehr wichtiges Hilfsmittel – aber Grundlage für agiles Arbeiten ist das gemeinsame Verständnis. Vereinfacht gesagt, versteht man unter dem agilen Managementansatz die Annahme, dass Arbeitsprojekte kontinuierliche Lern- und Entwicklungsprozesse sind und Ziele und Inhalte im Vorfeld nicht vollständig planbar sind. Es geht also um ein agiles Mindset, um eigenverantwortliches Denken und Handeln, Flexibilität, Experimentierfreude, eine gute Fehlerkultur. Agile Methoden geben einen Rahmen – aber am wichtigsten sind eine richtige Einstellung und die passende Unternehmenskultur.

2) Agiles Arbeiten bedeutet, nichts zu planen und nur zu reagieren
Auch das wäre zu weit gedacht. Ohne einen strategischen Plan endet die Zusammenarbeit nicht selten im Chaos. Es ist vielmehr um eine andere Art der strategischen Herangehensweise. Es ist ein Vorwärtsdenken in alternativen – aber durchdachten – Zukunftsplänen, die ständig mit der Realität abgeglichen werden. Der kontinuierliche Austausch mit Kunden, Kollegen, Experten und dem Netzwerk wird dabei aktiv gesucht, damit Tendenzen schnell erkannt werden können. Es wird also durchaus geplant, aber Veränderungen werden miteingeplant – und begrüßt – als Teil eines kontinuierlichen Entwicklungsprozesses.

3) Agiles Arbeiten heißt, dass es keine Führung mehr gibt
Nicht ganz. Es ist zwar durchaus richtig, dass in agilen Arbeitsorganisationen viel Verantwortung vom Management an eigenverantwortliche Teams abgegeben wird. Auch gibt es einige Unternehmen, die völlig ohne Hierarchien auskommen. Häufig ist aber immer noch Führung nötig – nur anders! Agiles Führen heißt, Selbstorganisation zu ermöglichen und zu fördern, für Transparenz und effektive Kommunikation zu sorgen und eine gute Vertrauenskultur zu schaffen. Es heißt, Unterstützer, Partner, und Begleiter zu sein – sich also eher als Dienstleister zu verstehen. Agiler Arbeit liegt ein völlig anderes Verständnis von Führung zugrunde.

4) Agiles Arbeiten bedeutet, dass automatisch alles viel schneller geht
Ja, das stimmt sehr häufig – es ist aber nicht das erklärte Hauptziel. Das Ziel von agilem Arbeiten ist es, das Ergebnis besser zu machen, sich ständig weiterzuentwickeln und immer den Kundennutzen im Blick zu behalten – erst einmal unabhängig von der Zeit. Dadurch, dass so bedarfsorientiert im engen Austausch mit dem Kunden gearbeitet wird, geht aber tatsächlich vieles schneller. Außerdem gibt es durch kürzere Entscheidungswege und häufige Feedbackschleifen weniger unnütze und parallele Arbeit – schon allein deshalb, weil es frühzeitiger bemerkt wird und sofort reagiert werden kann.

5) Agiles Arbeiten ist heutzutage für jeden ein „Muss“, damit man erfolgreich ist
Die Antwort ist: Es kommt darauf an. In den meisten Fällen überwiegen die Vorteile agilen Arbeitens. In unserer schnelllebigen, global vernetzten Welt sind flexible, prozessnahe Arbeitsweisen besonders effizient. Und Mitarbeiter, die selbstorganisiert und eigenverantwortlich in einer vertrauensvollen Arbeitsumgebung arbeiten dürfen, sind häufig zufrieden und loyal – in Zeiten des Fachkräftemangels ebenfalls ein wichtiger Punkt. Allerdings gibt es Projekte, organisatorische Strukturen oder Kundenanforderungen, die nicht zum agilen Denken passen. Am wichtigsten ist, dass die Haltung aller Beteiligten stimmt. Damit Agilität erfolgreich ist, muss sie auf allen Ebenen gelebt und verstanden werden. Dazu gehört etwa, dass den Mitarbeitern der nötige Freiraum zugestanden wird – und sie aber umgekehrt auch eigenverantwortlich arbeiten können und wollen. Wenn die Voraussetzungen passen, ist agiles Arbeiten sehr sinnvoll – an denen sollte aber zuerst gearbeitet werden.

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Autor:
Sonja Korff, Stage Academy

Schlagworte:

Agiles Arbeiten, Agilität, Transformation, Flexibilität, agile Führung, Mindset

Literatur:

Principles behind the Agile Manifesto:
http://agilemanifesto.org/principles.html

Svenja Hofert (06. Februar 2018): „Agiles Mindset – Experteninterview“:
https://www.timetac.com/de/blog/agiles-mindset-svenja-hofert/

Wirtschaftspsychologische Gesellschaft: „Agile Führung: Definition & Prinzipien“:
https://wpgs.de/fachtexte/fuehrung-von-mitarbeitern/agile-fuehrung-definition-und-prinzipien/