Umgang mit den Herausforderungen des Arbeitswandels

Teil 2: Wie wir Veränderung aktiv mitgestalten können

Lesezeit: 4 Minuten

Was es mit uns macht, in einer sich ständig verändernden (Arbeits-)Welt zu leben, haben wir im Teil 1 unseres Artikels herausgearbeitet. Veränderung kann bewirken, dass etwas Besseres entsteht. Theoretisch. Denn, und das ist der Knackpunkt, dafür gibt es selten Garantie. Und das kann verunsichern.

Schließlich sprechen auch neuronale Gründe für die Beibehaltung des Status Quo. Unser Gehirn liebt Vertrautes. Dann nämlich legt es „Schaltkreise“ an, durch die es Energie spart und selbst komplexe Abläufe relativ mühelos bewältigt (z.B. beim Autofahren).

Doch wir wollen einen Schritt weiter gehen. Aus unserer Sicht sind wir mehr als nur passive Träger des Wandels, die durch das geduldige Zureden des Change-Managers von dessen Nutzen überzeugt werden müssen.

Wir glauben, dass wir nicht nur auf Veränderungen reagieren, sondern sie aktiv mitgestalten können.

Hier einige Strategien dazu:

Einen Gang runterschalten
Wer gestresst ist, dem fällt es schwerer, sich anders als gewohnt zu verhalten. In stressigen Situationen haben wir nicht die Energie zur Verfügung, um automatisierte Vorgänge zu durchbrechen, da wir diese Energie für die stressige Situation selbst benötigen. Das emotionale Gehirn, das unsere Bedürfnisse und Gewohnheiten verwaltet, hat es gern einfach. Wenn etwas zu komplex erscheint, folgt es lieber den eingefahrenen neuronalen Pfaden.

Gewohnheiten durchbrechen
Die Forscher vermuten, dass eine tägliche „Innovationsaufgabe“ zu gesteigerter – und vor allem generalisierter – Wachheit führt: Wenn einem das Achtsamsein zur Gewohnheit wird, fällt man grundsätzlich nicht so leicht in alte Gewohnheiten zurück. Daher ist es ratsam, auch in kleinen Alltagssituationen täglich etwas Neues zu tun (z.B. einen anderen Weg zur Arbeit nehmen, einen anderen Radiosender hören etc.). Das hilft dabei, Veränderungen souverän zu meistern und sich flexibel auf neue Bedingungen einzustellen.

Veränderung analysieren
Veränderungen gehen allzu oft mit dem Empfinden eines subjektiven Kontrollverlusts einher. Um diesem Gefühl der Machtlosigkeit zu begegnen, kann ein anderer Blickwinkel wahre Wunder wirken. Gute Freunde, Kollegen oder auch ein professioneller Coach können darin unterstützen, Perspektiven zu sehen, die wir selbst noch nicht wahrnehmen, uns aber neue Handlungsoptionen ermöglichen. Diese und ähnliche Fragen können den Einstieg in die Situationsanalyse erleichtern:

  • Worin genau besteht die Veränderung?
  • Welche Chancen ergeben sich daraus?
  • Welche Ressourcen kann ich nutzen, um meine Situation zu verbessern?
  • Woran konkret spüre ich eine Verbesserung?

Lust haben auf Veränderung
Das Gehirn lässt sich nicht wie ein Muskel trainieren. Gerald Hüther, Neurobiologe, weiß: „Damit ihr Hirn langfristig etwas verankern kann, muss das, was man lernt, unter die Haut gehen“. Grund dafür sind neurologische Vorgänge: Nur durch die Aktivierung emotionaler Zentren werden bestimmte Botenstoffe freigesetzt, wodurch das Gelernte in Form von neuaufgebauten Netzwerken verankert wird. „Die neuroplastischen Botenstoffe, die diese Umbauprozesse in Gang bringen, wirken wie Dünger im Hirn.“ Bei Veränderungen brauchen wir also positive, emotionale „Hin-zu“-Ziele, keine „Weg-von-Ziele.“

Geduldig sein
Es dauert, bis neues Verhalten Routine wird. Im Durchschnitt dauert es 66 Tage, bis eine Gewohnheit entsteht, haben Forscher des University College in London herausgefunden. Besser sollte man bei täglichem Üben zwei bis drei Monate einkalkulieren. Erst dann sind die neuen neuronalen Verknüpfungen so stark, dass wir nicht automatisch in alte Gewohnheiten zurückfallen.

Autor:
Sonja Baldus, Sonja Einert, Stage Academy

Schlagworte:

Arbeit, Wandel, Veränderung, Gehirn, Gewohnheiten, Eigenverantwortung

Literatur:

Eagleman, David (2017): The Brain. Die Geschichte von dir. Pantheon Verlag

Fokus (09.11.2015): Hirnforscher: „Was man lernen will, muss unter die Haut gehen“ https://www.focus.de/familie/schule/neurobiologe-gerald-huether-hirnforscher-was-man-lernen-will-muss-unter-die-haut-gehen_id_5073129.html

Zeit Online (12.02.2013): Mach es anders! https://www.zeit.de/zeit-wissen/2013/02/Psychologie-Gewohnheiten/komplettansicht